Stellungnahme zur Gewalt an Mädchen und Frauen im Internet

November 7th, 2018

Die Autonomen Österreichischen Frauenhäuser (AÖF)  haben anlässlich des Jubiläums 40 Jahre Frauenhausbewegung Österreich eine AÖF-Bewusstseinskampagne gestartet. Das Lungauer Frauen Netzwerk unterstützt heuer wieder die Kampagne “16 Tage gegen Gewalt”. Das hier veröffentlichte Statement ist das 29. von 40. Alle bisherigen Staetments der AÖF finden Sie unter https://www.aoef.at/index.php/aktuelle/kampagne-40-jahre-40-statements.

Wissen SieAÖF_Gefahren des Internets. JPG
… dass die Zahlen zu Gewalt an Mädchen und Frauen im Internet als auch offline alarmierend hoch sind?
In unserer Welt ist das Internet zu einem entscheidenden Element des Alltags geworden – moderne Kommunikation kommt nicht mehr ohne E-Mail, Messenger, Social Media und Internetforen aus. In diesem Zusammenhang hat der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen deklariert, dass die Menschenrechte auch online gelten – hier besonders das Recht auf freie Meinungsäußerung und die gleichberechtigte Möglichkeit der Teilnahme am öffentlichen Diskurs. Jedoch stellt das Internet besonders für Frauen und Mädchen oft keine sichere Umgebung dar, dieses Recht auch ausüben zu können. Beleidigungen, Beschimpfungen, sexuell belästigende Bemerkungen und (Vergewaltigungs-)Drohungen gegenüber Mädchen und Frauen sind im Netz leider alltäglich.
In einer repräsentativen Online-Befragung des Weißen Rings teilten 32% – also eine von drei – der befragten Frauen und Mädchen mit, innerhalb des vergangenen Jahres zumindest einmal von Gewalt im Netz betroffen gewesen zu sein. Zudem hängen die digitale und die analoge Welt zusammen und können nicht voneinander getrennt gesehen werden. In vielen Fällen kommen zu Gewalt im Internet auch offline Gewalthandlungen hinzu, weil Machtverhältnisse offline und online sehr ähnlich sind, z.B. bei (Ex-)Partnergewalt, Stalking, Mobbing und Hasskriminalität.
Offline sind die Zahlen ebenfalls erschreckend hoch. Eine EU-Studie aus dem Jahr 20142 ergab, dass in Österreich 20% – also eine von fünf – der befragten Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner, Ex-Partner oder Unbekannte erlebt haben. 38% der Frauen haben psychische Gewalt durch ihren eigenen Partner oder frühere Partner erlebt. Besonders alarmierend ist die hohe Zahl der Morde an Frauen – monatlich werden mittlerweile 2 Frauen in Österreich durch ihre (Ex-)Partner ermordet. Die Zahl der Frauenmorde hat sich seit 2014 verdoppelt, bereits 2015 hatten wir europaweit einen traurigen Rekord von 31 Morden an Frauen und Mädchen. Eine Übersicht zu Zahlen und Daten zu Gewalt an Frauen in Österreich finden Sie unter https://www.aoef.at/index.php/zahlen-und-daten.
Österreich hat im Jahr 2014 die Istanbul-Konvention ratifiziert und sich somit verpflichtet, alles zu tun um Gewalt an Mädchen und Frauen zu verhindern und gewaltbetroffene Frauen zu schützen und umfassend zu unterstützen. Österreich hat mit der Ratifizierung einen neuen Handlungsauftrag bekommen und ist aufgefordert, die Empfehlungen umgehend umzusetzen und mehr in die Sicherheit der Frauen zu investieren.

1 Quelle: Weißer Ring, Broschüre „esc – Gewalt im Netz gegen Mädchen und Frauen in Österreich“, 2017
2 Quelle: EU-Studie zu Gewalt gegen Frauen: http://fra.europa.eu/de/publication/2014/gewalt-gegen-frauen-eine-eu-weite-erhebung-ergebnisse-auf-einen-blick
Angesichts dieser empörend hohen Zahlen an Betroffenen steht auch heuer wieder der November ganz im Zeichen des Einsatzes gegen Gewalt an Frauen. Auch 2018 finden anlässlich der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ (25.11. bis 10.12.) wieder zahlreiche Veranstaltungen in ganz Österreich statt. Eine Übersicht bietet der Verein AÖF wie jedes Jahr im „16 Tage“-Kalender und seit kurzem auch auf einer entsprechenden Facebook-Seite.

Aktuelle Informationen über die Aktivitäten des Vereins AÖF finden Sie auf https://www.aoef.at.

sowie auf Facebook und Twitter.
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Ihre Spende unterstützt Frauen und Kinder in Not und hilft Gewalt an Frauen und Kindern zu verhindern. Spenden an den Verein AÖF bzw. an die AÖF-Frauenhäuser sind seit 17.07.2015 steuerlich absetzbar.
Vielen Dank für Ihre Spende!
Verein AÖF/Informationsstelle gegen Gewalt: IBAN AT97 1200 0006 1078 2013
AÖF-Frauenhäuser: IBAN AT30 1200 0006 1078 2055
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